Derivate ist ein Sammelbegriff für verschiedenste Finanzinstrumente, die auch als Termingeschäfte bezeichnet werden.
Zu den bekanntesten Derivaten zählen Optionen, Forwards, Futures und Swaps.
Was sie alle gemeinsam haben: Ihr Wert ist an ein anderes Produkt geknüpft, z.B. an eine Aktien oder an Kaffee. Damit ein derivates Finanzprodukt funktionsfähig wird, müssen weitere Parameter festgelegt werden, z.B. die Laufzeit.
Etwas technischer ausgedrückt:
„Finanzkontrakte, deren Wert von einem oder mehreren Basisinstrumenten & anderen Variablen (Laufzeit, Art der Lieferung) abhängen“.
Prof. Marc Chesney, Universität Zürich
Mit Derivaten kann man sich absichern oder spekulieren
Derivate Finanzprodukte dienten Firmen ursprünglich der Absicherung von Risiken (Hedging).
Sie entwickelten sich aber zunehmend auch zu Spekulations– und Arbitrage-Instrumenten für Firmen und Privatanleger – teilweise mit fatalen Folgen: Kombiniert mit systematischem ethischem Versagen haben Derivate signifikant zur Finanzkrise 2008 beigetragen, so der Financial Crisis Inquiry Report von Januar 2011.
Werfen wir zuerst kurz einen Blick auf ihren Ursprung: Die Absicherung. Als Privatperson nutze ich Derivate kaum zu diesem Zweck (also ich persönlich nutze sie überhaupt nicht – mehr dazu weiter unten). Aber da Derivate als Absicherungsinstrument greifbarer sind als der Derivate als Spekulationsinstrument, schauen wir uns das kurz an – meinem Verständnis half es auf jeden Fall auf die Sprünge.
Derivate als Absicherung gegen Risiken
Derivate oder Termingeschäfte erlauben mir, jetzt festzulegen, zu welchem Preis ich ein Produkt zu einem Zeitpunkt in der Zukunft kaufen oder verkaufen werde. Es wird der festgelegte Preis bezahlt, auch wenn der Marktpreis fällt oder steigt – z.B. für eine Tonne Kaffee.
Firmen haben dadurch finanzielle Planungssicherheit. Der Kaffee wird den Käufer nicht plötzlich viel mehr kosten als erwartet, weil sich der Marktpreis verdoppelt hat. Der Verkäufer wird nicht plötzlich viel weniger für den Kaffee kriegen, weil der Marktpreis eingesackt ist.

Dafür nehmen die Händler in Kauf, dass sie für den Kaffee zum festgelegten Handelszeitpunkt mehr bezahlen (Käufer) oder weniger erhalten (Verkäufer) als der aktuelle Marktpreis.
Absichern kann man sich aber nicht nur gegen Marktrisiken wie schwankende Rohstoff- oder Aktienpreise. Auch gegen Währungsrisiken (eine Währung gewinnt oder verliert an Wert) und Zinsrisiken (fallen oder steigen) kann sich mit Derivaten absichern.
Nehmen wir das Währungsrisiko.
Angenommen, ein deutscher Käseimporteur muss in 3 Monaten 100’000 Franken für Schweizer Gruyere bezahlen. Wird der Schweizer Frankens im Vergleich zum Euro in diesem Zeitraum aufgewertet, muss der Importeur plötzlich mehr Euro für den Käse hinblättern, um die 100’000 Franken zu tilgen.
Der Importeur kann sich auch hier mit Hedging in Form eines Termingeschäfts absichern: Gemeinsam mit dem Käsehändler legt er bereits jetzt fest, zu welchem Wechselkurs er die Lieferung bezahlen wird.
Je nach Form des Termingeschäftes habe ich als Käufer die Wahl, das Geschäft sausen zu lassen.
Futures & Forwards: Einmal gekauft, muss ich mich daran halten
Es gibt zwei Arten von Derviaten bzw. Termingeschäften: Unbedingte und bedingte.
Unbedingte Termingeschäfte sind, wie der Name schon sagt, bedingungslos. Die Vertragsparteien müssen das Geschäft zu den festgehaltenen Konditionen vollziehen.
Zu den unbedingten Termingeschäften gehören
- Futures: Unbedingte Termingeschäfte, die an der Börse gehandelt werden.
- Forwards: Unbedingte Termingeschäfte die ausserbörslich (OTC oder „Over The Counter“, also über den „Schalter“) gehandelt werden.
Optionen: Der Käufer kann das Geschäft stoppen
Bedingte Termingeschäfte geben dem Käufer das Recht, zu wählen, ob der Handel zustande kommt oder nicht. Dafür zahlt er zu Beginn der Laufzeit eine Prämie an den Verkäufer (auch „Stillhalter“ genannt).
Typische bedingte Termingeschäfte sind Optionen. (Aha! Optionen= optional= Wahlrecht= bedingte Termingeschäfte. Katsching!).
- Optionen: Bedingte Termingeschäfte, bei denen ich als Käufer die Wahl habe, ob ich den Handel vollziehen will oder nicht. Dafür zahle ich als Käufer eine Prämie an den Verkäufer.
Es werden zwei Formen von Optionen unterschieden:
- Kaufoption aka. Call Optionen: Ich erhalte als Käufer das Recht, die Option zu kaufen .
- Verkaufsoption aka. Put Optionen: Ich erhalte als Käufer das Recht, die Option zu verkaufen.
Derivate als Spekulations-Instrumente
Komme ich als Privatperson mit Derivaten in Kontakt, befinde ich mich höchst wahrscheinlich im Bereich der Spekulation.
Spekulieren heisst, dass ich basierend auf einer Annahme (zu einer Marktentwicklung) einen Gewinn erzielen will.
Beispiel: Ich erwarte, dass der Swiss Market Index (SMI) steigen wird. Und möchte mit diesem Anstieg Geld verdienen. Also kaufe ich einen SMI-Future in der Hoffnung, diesen in drei Monaten teurer verkaufen zu können.
Natürlich könnte ich einfach Aktien kaufen.
Derivate haben aber eine Eigenschaft, die die Augen von Spekulanten glänzen lassen: Hebelwirkung. Ich kann mit geringem Einsatz verhältnismässig viele Wertpapiere kaufen. Das kann meinen Gewinn ver-x-fachen. Dasselbe gilt aber auch für potenzielle Verluste.

Noch ein bisschen Finanz-Jargon: Im oben beschrieben Fall wäre ich in der „Long“ Position: Ich setze auf steigende Märkte. Ich könnte auch das Gegenteil tun und darauf setzen, dass der Markt sinkt. Dann würde ich „Short“ gehen.
Vielleicht hast du den Oskar-gekrönten Film „The Big Short“ gesehen? Da setzte der Hauptdarsteller auf den Einbruch der amerikanischen Wirtschaft (ging „short“). Die Finanzkrise kommt. Er verdient massenhaft Geld.
Derivate passen nicht in meine Strategie
Big Short finde ich recht Cool als Film. Trotzdem handle ich nicht mit Futures und Co. – weder in der Short- noch in der Long-Position. Zu nahe am Glücksspiel. Zu viel negativer Stress. Den mag ich nicht.

Ich investiere langfristig nach einer vordefinierten Strategie. Und die ist passiv. Ich wähle keine einzelnen Titel oder Entwicklungen aus sondern gehe davon aus, dass es langfristig hoch geht, über Schwankungen und Märkte hinweg.