Jetzt ist es passiert: COVID19 hat die Wirtschaft in einen Schockzustand versetzt. Die Märkte sind eingebrochen. Der erste markante Crash, den ich als Investorin erlebe.
All die hypothetischen Szenarien, mit denen ich mich auseinander gesetzt habe, sind plötzlich Realität.

Verlust, Verlust, Verlust
Mein online Broker sendet mir eine E-Mail nach der anderen. Betreff: „Benachrichtigungen für Positionen mit 10% (oder mehr) Kursbewegung“ – nach unten.
- 11. März: „…Kursverlust von 11.17%
- 13. März: „…Kursverlust von 20.30%
- 18. März: „…Kursverlust von 32.35%“
Bei meiner Säule 3a, die fast 100% aus Aktien besteht, stand eben noch GEWINN im Titel – gefolgt von einer bemerkenswerten Tausenderzahl. Rendite: über 18%.
Jetzt steht VERLUST – ebenfalls gefolgt von einer bemerkenswerten Tausenderzahl. Jetzt einfach mit einem Kleinen Strichlein vorgeschoben. Verlust: bald 15%.
Ich könnte weitere Beispiele nennen. Ich habe mein Geld auf verschiedene Anbieter verteilt.
Alles verkaufen, Einzahlungen stoppen?
Was ich ein einer solchen Situation machen will, habe ich mir zu Beginn meiner Investment-Reise zurechtgelegt:
Weitermachen wie gehabt – meine Positionen halten, ununterbrochen monatlich einzahlen.
Auch wenn jede neue Einzahlung am nächsten Tag bereits wieder im Keller ist.
Auch wenn alle panisch verkaufen.
Auch wenn die aktuelle Stimmung glauben lässt, dass es diesmal alles anders ist. Anders als bei der Ölkrise von 1973. Anders als bei der Finanzkrise 2008. Anders als alles, das wir je gesehen haben! Dass wir nicht davon ausgehen können, dass es wider gut wird!! Dass sich die Märkte diesmal nicht erholen werden!!!
Sollte ich doch von meiner Strategie abweichen, meine Einzahlungen stoppen, oder sogar alles verkaufen?

Alles halten, zusätzlich Geld reinbuttern?
Es gibt auch finanziell gebildete Menschen in meinem Umfeld, die davon ausgehen, dass es gut kommt. Die davon überzeugt sind, dass JETZT der Moment gekommen ist, zu kaufen.
Sie weichen umgekehrt von ihrem gewohnten Muster ab als die Masse: Sie investieren deutlich mehr als vorher. Kaufen zusätzliche Positionen.
Ihre Annahme: Jetzt kann ich günstig kaufen und dann warten und zusehen, wie sich die Märkte erholen und der Wert meiner „Schnäppchen“ durch die Decke gehen.
Sollte ich umgekehrt von meiner Strategie abweichen, meine monatlichen Einzahlungen erhöhen, auf Schnäppchenjagd gehen?

Ich investiere weiter wie gehabt
Ich kann nicht wissen, ob es dieses Mal anders ist. Niemand weiss, wie COVID19 für die Märkte (und die Welt) enden wird.
Meine Entscheidung: Ich halte an meiner ursprünglichen Strategie fest und zahle wie gehabt ein. Monat für Monat. Im selben Verhältnis an Aktien und Zinsanlagen.
Genau wegen solchen Kriesen habe ich mich ja vorbereitet: Rendite und Risiko verstehen gelernt, Diversifikation unter die Lupe genommen, meine Risikofähigkeit und meinem Risikoappetit evaluiert.
- Meine Risikofähigkeit: Ich habe nur Geld investiert, von dem ich nicht unmittelbar abhängig bin. Ich kann Jahre darauf warten, dass sich die Märkte erholen.
- Mein Risikoappetit: Krisen hauen mich nicht aus dem Sattel, ich handle nicht überstürzt, sehe auch ihre Chancenseiten.

Das Festhalten an meiner Strategie impliziert natürlich, dass ich davon ausgehe, dass sich die Märkte erholen werden. Verkaufen und Einzahlungen stoppen ist also keine Option für mich.
Ich glaube aber auch, dass niemand weiss, wann der Tiefpunkt erreicht ist. Monatliche Einzahlungen erhöhen und auf Schnäppchenjagd gehen mit der Annahme, mit Wachstumsgarantie kaufen zu können, betrachte ich also ebenso als unklug wie überstürztes Verkaufen. (Ausser man sucht den den Kick – dann ist die Motivation aber nicht mehr Vermögensvermehrung, sondern Adrenalin.)
Ich vermeide negativen Stress
Es gibt noch einen weiteren Grund, wieso ich mich ursprünglich für diese passive, regelmässige Investitionsstrategie entschieden habe und jetzt auch daran festhalte: Ich stresse mich nicht gerne unnötig.

Würde ich aktiv investieren, Schnäppchen suche, überstürzt verkaufen und kaufen, müsste ich mich auch aktiv mit dem Markt beschäftigen. Immer up to date bleiben. Und darauf habe ich ganz ehrlich gesagt keine Lust.
Ob ich gut entschieden habe, wird sich in ein paar Jahren (Jahrzehnten?) zeigen.













