Du hast dich dafür entschieden, in die dritte Säule zu investieren oder deine 3a-Investitionen zu überdenken?
Fabelhaft! Schüttle dir kurz selbst die Hand. Du wirst Jahr für Jahr mehrere hunderte bis mehrere tausend Franken Steuern sparen.
Dein pensioniertes Ich, dein zukünftiges Haus, deine Auswanderungspläne oder deine Selbstständigkeit danken dir ebenfalls für das Kapital, das du für sie zur Seite legst 😊
Jetzt geht es um die Wahl des richtigen Anbieters.
Und schon wieder eine begeisterte Fist-Bump aus der Zukunft. Und zwar dafür, dass du diesen Artikel liest. Das führt möglicherweise dazu, dass das Vermögen deines zukünftigen Ichs um mehrere 100’000 Franken wächst.
Auf diese drei Aspekte kommt es bei der Wahl des 3a-Anbieters an
Ich glaubte es kaum, als mir ein Freund vor ein paar Jahren erzählte, wie extrem relevant die Frage nach dem Anbieter ist – dass hunderttausende von Franken auf dem Spiel stünden!
Also hab ich recherchiert und gerechnet. Das Ergebnis hat mir die Augen geöffnet.
Um das aufzeigen zu können, muss ich ein bisschen ausholen.
Der 3a-Anbieter bestimmt über zwei Aspekte, die mein Vermögen entweder vor sich hin dümpeln lassen oder einen Wachstumsschub verpassen:
- Anlagestrategie: Kannst ich einen Teil oder das ganze 3a-Geld in Aktien investieren? Oder handelt es sich um ein 3a-Sparkonto, auf dem mein Geld einfach rumliegt? Die beiden Strategien produzieren über die gesamte Anlagedauer gesehen extrem unterschiedliche Resultate – ich spreche von 400’000 Franken haben oder nicht haben!
- Gebühren: Wie viel bezahle ich für den 3a-Service? Das kann über die gesamte Anlagedauer über 100’000 Franken ausmachen!
Sind Wertpapiere im Spiel, ist ein dritter Punkt beachtenswert:
- Anlagefokus: Erlaubt mir der 3a-Anbieter, gewisse Firmen aus meinem Portfolio auszuschliessen? Investiere ich in Aktien, gebe ich Firmen Geld für die Weiterentwicklung ihrer Geschäfte. Und gewisse Branchen möchte ich nicht unterstützen, zum Beispiel die Waffenbranche.
Aspekt 1: Anlagestrategie
Das ungeschlagene Gewinnpotenzial von Aktien
Der erste Aspekt, den ich bei der Wahl des Anbieters berücksichtigen muss, ist die 3a-Anlagestrategie. Sie variiert von Anbieter zu Anbieter.
Die zwei Klassiker der 3a-Anlagestrategien sind:
- 3a-Konto: Dein Geld liegt sozusagen auf einem Sparkonto: Stabil, wenig Zinsen, geringe Gewinn- und Verlustchancen.
- 3a-Fond: Ein Teil oder mein ganzes 3a Geld wird vom Anbieter in Wertschriften investiert, z.B. Aktien. Der Wert meines 3a-Vermögens schwankt, ich habe höhere Gewinn- und Verlustchancen.
Erst dachte ich: Risiko ist nichts für mich. Konsequenterweise sind auch 3a-Aktien nichts für mich.
FALSCH!
Wenn ich über einen langen Zeithorizont anlege (Faustregel: 10+ Jahre) gebe ich meinen Aktien genügend Zeit, um sich von potenziellen Krisen zu erholen. Und bei der Säule 3a reden wir bei jungen Anlegern von 30 Jahren und mehr!
450’000 Franken mehr Vermögen durch Investition in Aktien
Tatsächlich lohnt es sich, Aktien in Betracht zu ziehen! Sie können mein Vermögen um mehrere hunderttausend Franken vermehren, wie folgendes Beispiel zeigt.

Meine kleine Schwester wird nächstes Jahr 24. Nehmen wir an, sie will und kann ab dann den monatlichen Höchstbetrag in die Säule 3a einzahlen. Dieser beträgt aktuell 568.- Franken (Jahr 2019) .
Entnehmen will sie das Geld, wenn sie mit 64 pensioniert wird. Sie legt das Geld also über 40 Jahre an.
So sieht ihre 3a-Situation nach 40 Jahren mit den verschiedenen Anlagestrategien aus:
3a-Konto
- Sie verfügt über 284’000 Franken 3a-Vermögen.
- Eingezahlt hat sie 273’000 Franken.
- Den Rest, also 11’000 Franken, hat sie durch Zinsen verdient. Gerechnet habe ich mit einem Zinssatz von 0.2% (so viel zahlt aktuell z.B. Raiffeisen oder CS).
100% in Aktien
- Sie verfügt über 724’000 Franken 3a-Vermögen.
- Eingezahlt hat sie ebenfalls 273’000 Franken.
- Der Rest, also gut 451’000 Franken, ist Gewinn. Gerechnet habe ich mit einer Rendite von 5% (realistisch) und Gebühren von 0.72% (wie bei guten Anbietern).
Das ist ein Unterschied von 440’000 Franken!!
Du kannst selbst nachrechnen, z.B. mit dem Kostenrechner der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfahlen (du musst ein Excel herunterladen… ist ein bisschen mühsam. Dafür kannst du die Gebühren mit reinrechnen, dass haben viele online-Rechner nicht).
Niemand kann die Zukunft voraussehen
Die Annahmen, die den Aktien-Rechner und Zukunftsprognosen zugrunde liegen, basieren auf Daten aus der Vergangenheit – eine Kristallkugel hat niemand.
Deshalb weiss auch niemand, wie sich Aktienmärkte tatsächlich entwickeln werden. Ausserdem bedingt ein hoher Aktienanteil Disziplin – ich darfst nicht kopflos verkaufen, wenn eine Finanzkrise eintritt.
Man muss aber nicht „all in“ gehen – man kannst auch 40% oder 80% Aktienanteil wählen. Die Anbieter müssen sowieso einen Vorschlag zum Verhältnis machen: Sie sind gesetzlich dazu verpflichtet, zu Beginn den Risikoappetit der Anleger abzuklären und basierend darauf eine passende Empfehlung abzugeben.
Aspekt 2: Gebühren
Winzige Prozentsätze mit riesigen Folgen
Die Gebühren für 3a-Lösungen bewegen sich zwischen 0.72 und 2 Prozent. Also super tief. Diese Kosten sind also irrelevant, ich kann sie ignorieren.
FALSCH!
Unterschiede in diesem kleinen Prozentbereich produzieren über längere Zeit aus gesehen extrem grosse Unterschiede!
0.8 Prozent weniger Gebühren sind 127’000 Franken mehr Gewinn
Nehmen wir wieder meine jüngste Schwester als Beispiel:
- 24 Jahre alt
- Will die Säule räumen, wenn sie mit 64 in Pension geht, legt das Geld also über 40 Jahre an
- Einzahlen will sie immer den Höchstbetrag von (aktuell) gut 568 Franken pro Monat

Als Strategie wählt sie 100% Aktien. Wir rechnen mit einer durchschnittliche Jahresrendite von 5%.
Und so sieht ihre Situation nach 40 Jahren bei den unterschiedlichen Gebühren aus:
1.5% Gebühren
- 596’000 Franken totales 3a-Vermögen
- 273’000.- eingezahlt
- 138’000.-Gebühren (!!!!)
- 323’000.- Gewinne
0.72% Gebühren
- 724’000 Franken totales 3a-Vermögen
- 273’000.- eingezahlt
- 76’000.- Gebühren (krass, trotzdem noch…)
- 451’000.- Gewinne
Das Endvermögen im zweiten Beispiel ist also 128’000 Franken höher!!! Und das bei einer Gebührendifferenz von winzigen 0.78 Prozent.

Natürlich ist das Endvermögen nicht in Stein gemeisselt. Es ist abhängig davon, wie viel ich jeden Monat einzahle, für wie viele Jahre, wie sich die Märkte entwickeln.
Berechnet habe ich die Zahlen mit dem Kostenrechner der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfahlen. Spiel auch ein bisschen herum! Ist recht erleuchtend.
Aspekt 3: Anlagefokus
Will ich in Streumienen investieren?
Nein. Also wähle ich einen 3a-Anbieter, der darauf achtet, weder Krieg zu fördern noch die Natur zu zerstören.
Ich kann mitbestimmen, wohin sich die Welt entwickelt!
Investiere ich in Aktien unterstütze ich Firmen bei der Entwicklung ihrer Produkte und Services. Ich habe Macht und eine Verantwortung.

Ich achte darauf, dass ich nachhaltig investieren kann
Nachhaltigkeit bezieht sich dabei auf die Natur, aber auch auf soziale und politische Aspekte.
Nachhaltige Portfolios vermeiden z.B. weitmöglichst Investitionen in Kriegsmittel wie Waffen und achten auf eine akzeptable CO2 Bilanz der aufgeführten Firmen.
Das mit den Streumienen war übrigens kein Witz.
In einem der beliebtesten Produkte der Investmentgesellschaft Blackrock (in diesem Produkt stecken 22 Milliarden Dollar!) haben z.B. 0.65% der gelisteten Firmen eine Verbindung zu Streumienen.
Nein danke.
Neben diesen ethischen Aspekten glaube ich daran, dass sich der Fokus «Nachhaltigkeit» langfristig auch finanziell auszahlen wird.
Denn irgendwann müssen wir ja aufhören, die Erde zu zerstören, wenn wir als Spezies überleben wollen. Und dann werden die nachhaltigen Firmen hoch im Kurs sein.
Den Anbieter kann ich jederzeit wechseln
Bin ich irgendwann nicht mehr zufrieden mit meinem Anbieter (oder bist du das jetzt nicht mehr), ist das kein Problem.
Ich kann meine Säule 3a zwar nicht ohne guten Grund plündern. Von einem Anbieter zum anderen wechseln ist jedoch kein Problem.
Ich muss einfach beim neuen Anbieter ein Konto eröffnen und den alten darum bitten, meine Säule 3a aufzulösen und das Geld zu transferieren.
Ich kann auch beim alten Anbieter bleiben und beim neuen ein zweites 3a-Konto/Portfolio eröffnen und fortan dort einzahlen – man muss nicht alles in einen Topf stecken (was finanziell übrigens lohnenswert sein kann). Die gesamten Einzahlungen dürfen den jährlich festgelegten Maximalbetrag einfach nicht überschreiten.
Anbieter ist nur wichtig, wenn ich langfristig anlege
Relevant ist die Frage nach dem Anleger nur, wenn ich mein 3a-Geld (oder Teile davon) über längere Zeit anlegen will – 10 Jahre oder mehr. Zum Beispiel für meine Pension.
Spare ich, um in den nächsten fünf Jahren ein Haus zu kaufen, kannst ich bei der Wahl des Anbieters eigentlich nichts falsch machen.
Im Falle eines kurzen Anlagehorizontes würde ich mich für ein normales 3a-Konto entscheiden und auf Aktien verzichten. Aktien haben langfristig gesehen hohes Gewinnpotenzial. Kurzfristig unterliegen sie aber extremen Schwankungen. Und ich will das Geld ja nicht dann beziehen müssen, wenn die Aktien gerade in einer Kriese stecken.
Und die Konditionen (spricht Zinsen) für normale 3a-Konten sind bei allen Anbietern ähnlich sch***** . Es ist also egal, bei wem ich es mache.
Ich will meine Säule 3a aber über längere Zeit aufbauen. Die Frage nach dem Anbieter ist hoch relevant.


